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Finnisches DesignAlvar Aalto - Großmeister der klassisch-modernen Architektur


Aalto, der 1898 in der finnischen Provinz geboren wurde, schloss bereits 1921 sein Architekturstudium am Polytechnikum in Helsinki mit Diplom ab und sammelte zunächst zwei Jahre in verschiedenen europäischen Architekturbüros praktische Erfahrungen. 1923 gründete er dann sein eigenes Büro in Jyväskylä, in dem später auch seine Frau Aino mitarbeitete. 1927 ging das Ehepaar für sechs Jahre nach Turku. 

Bereits in der ersten weißen Periode entstanden hervorragende Bauten, z. B. die Stadtbibliothek in Wyborg, deren außen liegendes vollverglastes Treppenhaus zahlreiche Nachahmer fand. Aaltos Funktionalismus zeichnet sich bei diesen frühen Bauten dadurch aus dass er neben den technischen Anforderungen gleichzeitig auch den psychischen Bedürfnissen gerecht werden wollte. Diesen Ansatz teilte Aalto mit dem deutschen Bauhaus und anderen Bewegungen der 1920er, fand allerdings zu ganz anderen Lösungen.  

Typisch für ihn war, dass er bereits in seinen frühen Werken die an den Rationalismus angelehnte Formensprache immer wieder mit organisch-dynamischen Tendenzen in Gestalt von Kurven und natürlichen, traditionellen Baumaterialien wie Holz, Leinen und Naturstein kontrastierte. Hinzu kam eine sorgfältige Planung auch der Innenarchitektur bis hin zum Entwurf der Möbel und der detaillierten Farbgestaltung der Räume. 

Aalto löste mit seiner Durchstrukturierung eines Bauwerks – bis hin zum Lichtschalter! – nicht nur eine gestalterische, sondern auch eine kostentechnische Herausforderung der Moderne: Seit 1932 entwickelte er zusammen mit seiner Frau Aino moderne und funktionale Möbel von zeitloser Schönheit u. a. aus gebogenem Sperrholz und Bugholz, die als industrielle Serienware preisgünstig produziert werden konnte. Ebenso bekannt wurde auch seine weich geschwungene Svoy-Vase.  

1933 zog das Büro nach Helsinki um. Aalto, der sich mittlerweile einen gewissen Ruf erobert hatte, wurde sowohl für die Weltausstellung 1937 in Paris, als auch 1939 in New York mit der Gestaltung des finnischen Pavillons beauftragt. Nun hatte der Architekt die Gelegenheit, seine Vorstellungen auf internationalem Parkett zu entfalten, was ihm 1940 eine Gastprofessur am Institute of Technology in Cambridge, Massachusetts, einbrachte.  

Nach dem zweiten Weltkrieg festigte Aalto zusammen mit seiner zweiten Frau Elissa seine ganz eigene Formensprache. Im Rahmen der roten Periode, in der er bevorzugt roten Ziegelstein benutzte, entstanden neben Projekten im Ausland insbesondere das Kulturzentrum in Helsinki und der Großkomplex des Polytechnikums von Otaniemi, ein Muss für jeden Architekturbegeisterten. Mitten in der Natur gelegen, wird dieses ziegelsteinrote Forschungs- und Universitätszentrum von dem ausdrucksvollen Amphitheater des Audimax beherrscht. Hier laufen – außen und innen – alle Kräfte zusammen.

Aus der zweiten weißen Periode Aaltos, die sich bereits Mitte der 1950er ankündigte und das gesamte späte Schaffen des Meisters bis zu seinem Tod im Jahre 1976 beherrschte, finden sich in Helsinki und Finnland typische Beispiele. An aller erster Stelle ist dabei die Finnlandia-Halle zu nennen, bei der sich die Fantasie des Architekten nicht nur auf das Bauwerk als solches beschränkte, sondern sowohl die Umgebung als auch kleinste Details wie z. B. die Parkleuchten oder Garderoben als Teil eines organischen Ganzen auffasste. Und auch in Deutschland kann man Aalto-Bauten studieren. Beispielsweise am Opernhaus in Essen, das bereits 1959 entworfen, aber erst nach dem Tod des Architekten vollendet wurde.

© Dumont Reiseverlag