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Was die milllionen Jahre währende Erosion mit den Lofoten
angerichtet hat, findet auf der Welt kein Gegenstück, wie der sagenhafte
Archipel, der zu den >Erstgeborenen< auf Erden zählt, überhaupt in
vielerlei Hinsicht ganz einzigartig dasteht.
Tagelang haben wir uns dem Archipel genähert, vor zwei
Stunden erst rollten wir an Bord der Lofot-Fähre, und nun endlich steigt sie
aus dem Meer, die tausendfach beschriebene Lofoten-Wand, die wie ein
gigantisches Bollwerk aus uralten Zeiten den Horizont verdeckt. In der Tat
gehört sie zu den >Erstgeborenen < auf diesem Planeten und ist fast so
alt wie die Erde selbst. Als der flüssige Glutball abkühlte, bildete sich über
dem noch glü-hend heißen Mantel eine Kruste, aus der vor ca. 3,5 Mrd. Jahren
die ersten Berge emporstiegen. Die Ur-Lofoten waren geboren, und noch fast 3
Mrd. Jahre sollten bis zur Entstehung des >Mutterlandes< Norwegen
vergehen. In dieser unvorstellbaren Zeitspanne sanken die Lofoten mehrfach ins
Erdinnere zurück, wurden dort gefaltet und zusammengestaucht, bis sie vor ca. 1
Mrd. Jahren erneut gehoben wurden. 600 Mio. Jahre später faltete sich das
Kaledonische Gebirge auf (s. S. 16f.), der die Inselgruppe weitgehend ihre
heutige Topografie verdankt.
Jeder Berg, so will es scheinen, ist Metapher für eine Sage,
und man versteht, warum die Wikinger, die hier im 9. Jh. einen Stützpunkt
errichteten, dem Archipel den Beinamen >Insel der Götter< gegeben haben.
Die Ersten aber waren sie nicht im Inselreich, denn schon aus der älteren
Steinzeit (vor ca. 7000 Jahren) wurden hier Spuren menschlicher Existenz
gefunden. Bereits im 3. Jt. v. Chr. wurden Ackerbau und Viehzucht betrieben,
während der Eisenzeit bildeten sich Häuptlingssitze, und im 9. Jh. wurde
vermutlich Vágan, die erste Stadt nördlich des Polarkreises, gegründet. Im 12.
Jh. bekam sie eine Kirche, und spätestens seit dieser Zeit fuhren von hier aus
große Schiffskonvois bis hinunter nach Bergen, um Stockfisch gegen andere Waren
zu tauschen.
>Archipel des Kabeljau< ist die Inselgruppe bis heute
geblieben, auch wenn der Vestfjord, der sich wie ein Keil zwischen Lofoten und
Festland schiebt, heute nur noch Bruchteile jener Dorschmengen hergibt, die
früher gefangen wurden. Seit 1978 ging es konstant bergab mit der
Lofot-Fischerei, und der Archipel schien der Bevölkerung geweiht. Doch konnte
damals niemand ahnen, dass einmal der Tag kommen würde, an dem die Einbußen
durch Einkünfte aus dem Tourismus mehr als wettgemacht werden würden.
Heute stehen die Lofoten als >Trauminseln über dem
Polarkreis< wieder glanzvoll da und rühmen sich, zusammen mit dem Nordkap
und dem Geirangerfjord, ganz oben auf der Beliebtheitsskala aller norwegischen
Reiseziele zu stehen. Das schafft gewaltige Veränderungen. Schon sind alle
Inseln untereinander mittels Brücken und Tunneln verbunden, wurde die
Hauptverkehrsverbindung, noch vor wenigen Jahren eine wüste Piste, zur
Europastraße erklärt, wird demnächst sogar eine Festlandsverbindung fertig
gestellt und geht schließlich schon die bange Frage um, ob diese Entwicklung
eigentlich gewünscht ist.
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