Finnisch - eine exotische Sprache

Finnisch - eine exotische Sprache

Finnisch verstehen zu wollen ist nahezu unmöglich, von einigen Lehnwörtern wie baari, sukkeri, posti oder hotelli abgesehen. Der Grund Finnisch gehört nicht zu den indoeuropäischen Sprachen. Vokabular, Sprachsystem, all das ist himmelweit von allen germanischen, romanischen oder slawischen Sprachen entfernt. 

Der Normaltourist der in eine finnische Zeitung oder auf eine rein finnische Website schaut, versteht also immer nur rautatiea-sema (=Bahnhof). Trotzdem gibt es auch Positives: Erstens werden fast alle Buchstaben wie im Deutschen ausgesprochen. Zweitens liegt die Betonung immer auf der ersten Silbe (also:Hélsinki, Róvaniemi). 

Fast alle europäischen Sprachen gehen auf eine gemeinsame Wurzel zurück: das so genannte Indoeuropäische, aus dem sich im Laufe von Jahrtausenden einzelne Sprachfamilien wie das Romanische und Germanische samt ihren vielen Nationalsprachen und Dialekten entwickelt haben. Wenn man etwa das Zahlwort drei (tria, tre, tres, three, trolis usw.) dem finnischen kolme gegenüberstellt, wird klar, dass diese Sprache offensichtlich aus dem Rahmen fällt, also nicht indioeuropäischen Ursprungs ist. Diese exotische Qualität teilt das Finnische in Europa unter anderem mit dem Baskischen und dem Ungarischen. Mit Letzterem verbindet das Finnische eine gemeinsame Wurzel, die von den Linguisten als Finno-Ugrisch bezeichnet wird. Finno-ugrische Sprachen werden heute immerhin von etwa 23 Mio. Menschen gesprochen, und zwar hauptsächlich im baltischen Raum, auf der Sprachinsel Ungarn, an der mittleren Wolga und in einem breiten Streifen Sibiriens bis hin zum Jennisei-Fluß. Sprachhistorisch am nächsten stehen den Finnen dabei die Karelier und die Esten, aber auch die Sámi gehören zu dieser Gruppe. 

Was außer der Herkunft unterscheidet nun Finnisch von den indoeuropäischen Sprachen, was macht es so schwer erlernbar? In erster Linie das völlige andere Sprachsystem, das z. B. 15 Fälle, aber keine Artikel, kein Geschlecht und fast keine Präpositionen kennt. Letztere werden gerne als Suffixe bzw. Ableitungen oder Fälle in ein Wort integriert: Wenn das Haus talo heißt, wird jeweils durch einen eigenen Kasus zu „in das Haus“ taloon, von dem Haus „ talossa oder „als Haus“ talona gesagt. Statt männlich und weiblich wird nur belebt und unbelebt unterschieden: Menschen, Tiere und Pflanzen bilden eine von Sachen oder Dingen unterscheidbare Gruppe. 

Solcherart Unterschiede im System können Sprachschüler zur Verzweiflung treiben, bedeuten aber nicht, dass Finnisch an sich schwerer sei als Deutsch oder Englisch: Ein finnisches Kind erlernt seine Muttersprache in der gleichen Zeit wie jedes andere. Und in mancher Hinsicht kann Finnisch sogar leichter gelten: Die Sprache ist logisch aufgebaut, es gibt so gut wie keine Ausnahmen und dem Schriftwert entspricht immer nur ein Lautwert. Dass das Finnische so gut gesungen werden kann, liegt an seinem selbst das italienische übertreffenden Vokalreichtums. Gewöhnungsbedürftig ist die Vielzahl an Doppelvokalen und –Konsonanten, die jeweils den Lautwert verändern, z. B. bei muta (Schlamm), muuta(sonstiges) und muutaa (verändern). 

 

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