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Südisland TOUR 4Isländische Springquellen – Wie funktioniert ein Geysir?

 

Viele Menschen verbinden mit Island trotz des Kälte einflößenden Namens paradoxerweise eine Naturerscheinung heißen Ursprungs, nämlich die Springquelle des Großen Geysirs. Im Vergleich zu den Gletschern, die das isländische Landschaftsbild zumindest in verschiedenen Regionen beherrschen, zieht allerdings der Geysir wegen seiner ungewöhnlichen , urplötzlichen Aktionen sowie seiner Einmaligkeit eher die Aufmerksamkeit von Besuchern auf sich. Gerade ist das Thermalfeld von Haukadalur mit dem großen Geysir, dem die springenden Heißwasserquellen in aller Welt ihren Namen verdanken, eines der am häufigsten besuchten Naturdenkmäler Islands.

Der große Geysir wurde wegen seiner über Jahrhunderte andauernden Tätigkeit berühmt. In einem kreisrunden Becken mit 14 m Durchmesser schleuderte er aus einem zwei Meter weiten und etwa 120 m tiefen Schlund Wasser und Dampf in Abständen von etwa einer Stunde 60 m hoch hinaus. Über seine Aktivitäten wurde bereits 1294 zum ersten Mal berichtet. Nach den Sinterablagerungen um sein Becken muss er aber älter sein und existiert wahrscheinlich seit etwa 10 000 Jahren. Es wird berichtet, dass der Geysir um 1810 noch jede halbe Stunde ausbrach. Im Jahre 1916 hörte er plötzlich auf, seine Wassermassen emporzujagen. Im Grunde genommen hatte er seine Ruhe nach Jahrhunderte dauernder Tätigkeit verdient. Seine Ausbrüche beschränken sich heute nur noch auf ein gelegentliches meterhohes, kurzzeitiges Aufwallen, was wahrscheinlich auch kaum wahrgenommen wird.

Einige Isländer waren trotz  des 700 Jahre dauernden Wirkens mit dem in Ruhestand getretenen Großen Geysir unzufrieden und überlegten, ihn durch einen Eingriff zum Springen zu bewegen. Bereits 1932 öffnete man durch eine Bohrung den Schlund und konnte den Geysir durch die damit verbundene Wasserspiegelabsenkung reaktivieren. Rund 20 Jahre lang tat er es wieder. Schließlich wurde er aber immer zurückhaltender, und selbst Appetithappen in Form von Schmierseife konnten ihn kaum aus seiner Lethargie wecken. Aus ökonomischem Interesse wollen einige Kräfte dem Großen Alten nicht seine wohlverdiente Ruhe gönnen. Mehrere Manipulationen wie die Anlage einer seitlichen Abflussrinne sorgten noch einmal dafür, dass besonders die Besucher Islands das große Schauspiel einer hoch aufschießenden natürlichen Wasserfontäne erleben konnten. Die isländische Naturschutzbehörde bereitete dieser künstlichen Darbietung letztlich ein Ende, indem sie 1992 das Bohrloch verschließen ließ.

Schließlich befindet sich auf dem Thermalfeld von Haukadalur noch ein zweiter, zwar nicht so großer., aber außerordentlich fleißiger Geysir, der etwa 150 m entfernte >Stokkur< (Butterfass). Schon bei der Anfahrt sind seine Aktivitäten zu erkennen, wenn in Intervallen von nur etwa 10 Minuten seine Dampf und Wassermassen bis zu 20 m hoch springen. Aus unmittelbarer Nähe kann man dem atemberaubenden Schauspiel einer Eruption beiwohnen. Nach dem Rückfluss des bei einem Ausbruch emporgeschleuderten Wassers in den Schlund und dem Auffüllen des Beckens verhält sich die Quelle einige Minuten lang ruhig. Nur einzelne Dampfblasen perlen an der Oberfläche. Ohne große Vorankündigung  fängt das Wasser an auf- und niederzuwallen.

Schließlich wölbt es sich glockenartig auf. Die Wasserglocke bleibt wenige Augenblicke bestehen. Dann schießen aus dem Untergrund explosionsartig Dampfblasen herauf und reißen das umgebende Wasser bis zu einer Höhe von 10-20 m mit. Danach füllt sich das Becken wieder mit Wasser auf. Mit Spannung und der Erwartung eines hohen Auswurfs ruhen auf ihm die Blicke der Zuschauer oder die Objektive der Kameras. Das Oberflächenwasser des 5 m weiten Geysirbeckens hat eine Temperatur von 97 ° C.

Die Tätigkeit der Geysire beruht darauf, dass Wasser in einem tiefen Schlot bis zu einer Temperatur von mehr als 100 °C aufgeheizt wird. Wegen des Belastungsdruckes der im Schlot befindlichen Wassersäule kann es nicht sieden. Es muss der Dampfdruck soweit steigen, bis der Belastungsdruck überwunden werden kann. Dann kommt es zu einem Ausbruch. Durch eine ruckartige Dampfentwicklung wird das Wasser im Quellbecken kurzzeitig glockenartig angehoben. Der herausschießende Dampf reißt das Wasser mit.

Es gibt in Island 30 Geysire, allerdings nicht alle von der Qualität des Strokkur. Ein künstlicher Geysir ist 150 m südlich von Perlan in Reykjavík entstanden. Er strapaziert nicht die Geduld wartender >Naturfreunde<, denn er springt auf Knopfdruck. In einem 30 m tiefen Brunnen wird er über eine Heißwasserleitung versorgt. Das ganze Ensemble sorgt dafür, dass die >Heißwasserquelle> zwischen 11 und 16 Uhr 10 bis 15 m hoch springt. Ist es da nicht beschaulicher – wenn schon der Große Geysir nicht springt -, sich in seiner Nachbarschaft in aller Ruhe eine kaum aufwallende türkisfarbene Heißwassserquelle (Bláhver) anzusehen und bei der Betrachtung des Formenreichtums der Sinterablagerungen in Haukadalur seine Phantasie spielen zu lassen?