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Fischerei sowie Land- und Forstwirtschaft sind als
Haupterwerbszweige über die Jahrhunderte hinweg zwar kulturell und
sozialgeschichtlich tief verwurzelt in Norwegen. Doch heute besitzen sie keine
wirtschaftliche Bedeutung mehr, und ohne Subventionen würde rein gar nichts
gehen.
Ein landläufiges Klischee besagt, dass Norwegen ein Land der
Fischer und Bauern sei, doch wie so oft sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.
Konkret macht die Fischerei, über Jahrhunderte hinweg Haupterwerbszweig des
Landes und noch in den 1930er Jahren mit rund 15 % am Exportaufkommen
beteiligt, heute zusammen mit der Fischzucht (Lachs) nur noch ca. 0,3 % des
Bruttosozialproduktes aus.
Ganz vorne in der Jahr für Jahr schlechtere Ergebnisse
aufweisenden Fangstatistik stehen der Dorsch-Verwandte Blauer Witting (ca. 850
000 t) neben den Arten Hering (knapp 600 000 t), Lodde (520 000 t), Dorsch (230
000 t) und Seelachs (200 000 t). Die besten Ergebnisse weist noch die
Fischzucht auf, deren Absatzmenge sich zurzeit auf etwa 580 000 t (davon 507
000 t Lachs) beläuft (was immerhin einer Steigerung um ca. 7,5 % zum Vorjahr
entspricht) und die damit bereits zu rund 25 % an den Exporterlösen von Fisch
und Fischprodukten beteiligt ist.
Die Forstwirtschaft, die früher ebenfalls eine Hauptstütze
der Volkswirtschaft darstellte, ist gerade noch mit etwa 0,3 % am
Bruttosozialprodukt beteiligt, Tendenz fallend, und in der Landwirtschaft, in
der noch um das Jahr 1870 rund 60 %
aller Norweger ein Auskommen fanden (selbst 1960 waren es rund 20 %), wird nur
noch 0,7 % des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet.
Dass Norwegen also ein Land der Fischer und Bauern sei, wie
im Ausland häufig angenommen wird, entbehrt jeglicher Grundlage, und dass es
hier – wo rund ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe unter 10 ha
Größe liegen – heutzutage überhaupt noch Bauern gibt, ist im hohen regionalen –
wie auch sozialpolitischen Bewusstsein der Gesellschaft begründet: Die
gegenwärtigen Siedlungsstrukturen sollen erhalten bleiben, ein weiteres
Abwandern vom Land in die Städte, wo heute schon rund 78 % aller Norweger
leben, soll verhindert werden. Außerdem ist es geradezu ein Imperativ des
norwegischen Wohlfahrtsstaates, dass niemand benachteiligt werden darf.
Entsprechend greift der Staat also einerseits über eine Reihe von
Stützungsmaßnahmen in das Marktgeschehen ein und sorgt anderseits durch
Zuschüsse dafür, dass das Jahreseinkommen eines Landwirts nicht unter dem
Durchschnittseinkommen eines Industriearbeiters liegt.
Diese Anpassung ist sogar gesetzlich festgelegt, und das
System funktioniert: Es hat dazu geführt, dass Norwegens Agrarwirtschaft den
gesamten Bedarf des Landes an Molkerei- und Fleischprodukten sowie Kartoffeln decken kann. Freilich sind
auch die Kosten entsprechend: Jahr für Jahr muss der Staat rund 11 Mrd. NOK an
Zuschüssen aufwenden, um seine Landwirtschaft am Leben zu erhalten (die
Verteidigung schluckt beispielsweise 29 Mrd. NOK). Addiert man alle staatlichen
Finanzhilfen, so zeigt sich, dass Norwegen in puncto Subventionen weltweit zu
den Spitzenreitern gehört.
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