Schweden - Land der Schären, Seen und Wälder

Was ist es, das Schweden bei Urlaubern aus Mitteleuropa Jahr für Jahr beliebter macht? Sind es die Kinderbuchhelden, die uns das Land von Nils Holgersson und Pippi Langstrumpf so vertraut erscheinen lassen? Oder fasziniert uns die trendige Gastronomie, die produktive Kulturszene mit schwedischen Markenzeichen in Sachen Design, Pop-Musik, Film?

Etwas muss ja dran sein, wenn so viele Urlauber alljährlich den Weg gen Norden auf sich nehmen, nicht um zum Nordkap durchzubrausen, sondern um immer wieder in dieselbe Gegend, in dasselbe Ferienhaus zu fahren. Bis sich manche eines Tages ganz dort niederlassen, erst nur für den Sommer, dann irgendwann für immer. In Smaland wurden in den letzten Jahrzehnten ganze Landstriche von deutschen Neu-Einwanderer besiedelt, durchaus willkommen beispielsweise in der Gemeinde Emmaboda, wo vor 100 Jahren die Auswanderung nach Amerika am größten war und ganze Dörfer veröden ließ. Wer hierher zieht, sucht, so die übereinstimmende Antwort der Umsiedler, „die ruhe“. Und genau die findet man hier.

Eine Erklärung liegt auf der Hand: Es gibt einfach viel weniger Menschen auf viel mehr Quadratkilometer. Wer aus den mitteleuropäischen Ballungsgebieten anreist, spürt das sofort. Schon nach kurzer Zeit stellt sich angesichts der spärlichen Inseln roter, gelber und pastellfarbener Holzhäuser inmitten dichter Nadelwälder, am Rand von Birkenhainen und kleinen Seen mit Schilf am Ufer ein ungemein entspannendes Gefühl ein, ein Anno-dazumal-Gefühl, das wohltuend auf Körper und Seele wirkt. Hektik ist ein Fremdwort, das Leben geht seinen geruhsamen Gang. Abgesehen von den drei größten wirken schwedische Städte wie verschlafene Dörfer.

Die Idylle kommt ja auch nicht von ungefähr: Seit rund 200 Jahren hat kein Krieg das Land verwüstet; wenn ein haus nicht abbrannte oder verlassen wurde, steht es meist noch, liebevoll im alten Stil restauriert.

Aber Schweden ist auch „Cyber-Land“, ein moderner Industriestaat, hochtechnisiert. Ebenfalls weit verbreitet sind Segelboot und Sommerhaus. Der Stellenwert der Freizeit in dieser modernen Gesellschaft ist hoch, die Sehnsucht nach Nähe zur Natur auch. Und die gibt es reichlich: Abgesehen von den Bergregionen im Westen, bietet die schwedische Landschaft im Unterschied zur norwegischen zwar nicht viel Spektakuläres, aber im Vergleich zur finnischen etwas mehr Abwechslung. Dieses Land im Norden, von dem Nicht-Eingeweihte meinen, die Sommer dort müssten kalt sein, weil die Winter es sind, hat nicht nur die Mitternachtssonne, sondern von Anfang Juni bis Ende August lange Perioden heißer Tage, die nur deshalb zu ertragen sind, weil immer ein Badesee in der Nähe ist. Es kennt aber natürlich – zum Glück für die Pilzsucher – zum Ausgleich auch heftige Gewitter und Landregen.

Die Nord-Süd-Längenausdehnung ist gewaltig – setzte man mit diesen 1.574 km in Berlin an, käme man per Luftlinie Richtung Süden bis nach Sizilien. Entsprechend groß ist die landschaftliche Vielfalt, in der Wasser, Wald und Stein die Hauptelemente bilden: sanfte Hügel mit knapp 96.000 darin eingebetteten Seen, fruchtbare Kulturlandschaften in Mittelschweden und an den Küsten die glatten runden Felsbuckel der Schären mit pittoresken Fischerdörfern. Die Natur geht abseits der Siedlungen schnell in ausgedehnte Wälder über. In den großen Nationalparks in den Bergen Lapplands blieb sie als echte Wildnis weithin unberührt und bietet, respektiert und drücksichtsvoll behandelt, das Revier für Wanderer, Kanuten und Angler. Dazwischen trifft man immer wieder auf die Zeugnisse einer mehrere tausend Jahre alten Kultur, von Vorzeitgrabhügeln und Runensteinen bis zu Eisenschmieden aus den Anfängen der Industrialisierung, von mittelalterlichen Kirchen bis zu prächtigen Schlössern und gepflegten Parks. Schwedens Städte, allen voran die Hauptstadt Stockholm, liegen nicht nur wunderschön, häufig auf Inseln am Wasser, sie sind alles andere als langweilig, eine Fundgrube für Trendspotter und Kulturfans, denen die höchst lebendige Musik-, Film-, Literatur- und Kunstszene immer wieder Aha-Erlebnisse beschert.

Doch vor allem anderen ist Schweden ein Land für Romantiker und für solche, die auch mal mit sich und der Natur alleine sein können – das Land der Sehnsucht aus Kindertagen, unbeschwerter Sommervergnügen in freier Natur.

 

© Dumont Reiseverlag

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