Schwedische Glaskunst ist heute weltweit der Inbegriff für hochwertiges Design. Die berühmtesten Namen konzentrieren sich im smáländischen >Glasreich< zwischen Nybro und Växjö: Orrefors, Kosta-Boda, Lindshammar …
Orrefors gelang 1925 der Durchbruch in Paris, als bei der Ausstellung >Exposition des Arts décoratifs< von Simon Gate entworfene Stücke Furore machten. Seitdem gehören Glas und innovative Formgebung zusammen. Dafür sorgen z. B. bei Orrefors 17 fest angestellte Designer, die immer neue Kollektionen voller Witz und Fantasie entwickeln.
Bei der Form- und Farbgestaltung ist kaum noch etwas unmöglich; vor allem kräftige Farben spielen eine große Rolle. Knallgelbe Sonnenblumen sind beispielsweise das Markenzeichen von Brigitta Watz, eine von sieben Künstlern bei Lindhammars glasbruck. Bei Bengt Lindberg aus dem Hause Bergdala leuchten farbenfrohe stilisierte Elchköpfe von Schnapsgläsern – ein beliebtes Souvenir. Regenbogenfarben durch verschiedenfarbiges, zunächst verschmolzenes und dann geblasenes Glas, erzeugt Thommy Bremberg gleich nebenan bei der Konkurrenz, in seiner Studiohütte Härdsmältan.
Die Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk sind wahrhaft fließend. Bei Kosta Boda entwickelt Kjell Engman Gebrauchsglas, aber gewinnt dem Glas auch als Künstler für seine Skulpturen und Reliefs sehr viel ab – ein nicht gerade gewöhnliches Material.
Auch für den ganz normalen Kaufinteressenten, dem es nur darum geht, sein Heim mit einem stilvollen wie praktischen Gegenstand zu verschönern, bieten die über 40 glasbruk mit Fabrikladen im Glasreich ein vielfältiges Angebot. Auf der Suche nach einem Pendant zu Großmutters Lampe wird man mit Sicherheit bei Rosdala fündig. Das Archiv der Glashütte birgt 9000 Formen aus über 100 Jahren Firmengeschichte.
Die originellste und vielleicht zukunftsträchtige Idee hatte aber wohl Leif Hauge, der sich in seiner Werkstatt südlich von Fagerhult dem Recycling von Glasflaschen widmet. Die Metamorphose einer schlichten Ketchupflasche zur formschönen Karaffe ist schon erstaunlich. Wer mag, kann seine eigenen Glasgegenstände mitbringen und sehen, was daraus wird. Auch wenn man nichts kauft, darf der Besuch einer Hütte nicht fehlen, denn es gibt kaum etwas Spannenderes, als den Glasbläsern bei der Arbeit zuzusehen.
Und dann ist da noch der hyttsill, eine gute alte Sitte aus den Zeiten, als man energiebewusst die abkühlende Ofenglut auch noch zum abendlichen, gemeinschaftlichen Kochen nutzte. Damals wie heute werden in der Glut Salzheringe, Schweinerippchen, Würstchen und Kartoffeln knusprig gebacken. Die smáländische Isterbandkorv ist eine geräucherte, gut gewürzte Wurst mit reichlich Getreideanteil, meist Graupen. Dazu wird kühles Bier serviert. Als Nachtisch gibt es natürlich die smáländische Spezialität Ostkaka (ein süßer Auflauf) mit Sahne und Konfitüre. Bei Musik und Gesang können solche Hyttsill-Abende ziemlich fröhlich werden – besonders wenn die Gäste selber mal Glas blasen dürfen. Hyttsill-Abende veranstalten die Glashütten (Buchung im Voraus) Kosta, Bergdala, Lindshammar, Málerás und Orrefors.