…von der Entstehung bis zum modernen Tourismus

  • Eine Landschaft ohne Gegenstück
  • Die Geburt der Ur-Lofoten
  • Sagen, Götter und frühe Besiedlung
  • Der Archipel des Kabeljaus

     

Von der Entstehung bis zum modernen Tourismus

Eine Landschaft ohne Gegenstück

Was die Erosion auf den Lofoten geschaffen hat, findet auf der Welt kaum ein Gegenstück. Der sagenhafte Archipel zählt zu den „Erstgeborenen“ der Erde und steht in vielerlei Hinsicht ganz einzigartig da.

Annäherung an ein Naturwunder

Tagelang nähern wir uns dem Archipel; erst vor zwei Stunden sind wir an Bord der Lofot-Fähre gegangen. Nun steigt sie endlich aus dem Meer auf: die tausendfach beschriebene Lofotenwand, die wie ein gigantisches Bollwerk aus uralten Zeiten den Horizont versperrt. Tatsächlich gehört sie zu den ältesten Gebirgsformationen unseres Planeten und ist fast so alt wie die Erde selbst.

Die Geburt der Ur-Lofoten

Als der flüssige Glutball, aus dem später die Erde entstehen sollte, abkühlte, bildete sich eine feste Kruste. Aus dieser stiegen vor etwa 3,5 Milliarden Jahren die ersten Berge empor – die Ur-Lofoten. Fast drei Milliarden Jahre sollten vergehen, bevor sich das „Mutterland“ Norwegen formte. In dieser unvorstellbaren Zeitspanne sanken die Lofoten mehrfach zurück ins Erdinnere, wurden gefaltet und zusammengestaucht und schließlich vor etwa einer Milliarde Jahren erneut gehoben. Rund 600 Millionen Jahre später bildete sich das Kaledonische Gebirge, dem die heutige Topografie der Inselgruppe weitgehend zu verdanken ist.

Sagen, Götter und frühe Besiedlung

Jeder Berg scheint eine Sage zu erzählen – kein Wunder, dass die Wikinger, die im 9. Jahrhundert hier einen Stützpunkt errichteten, die Lofoten „Insel der Götter“ nannten. Doch sie waren nicht die ersten Bewohner: Archäologische Funde belegen menschliche Spuren bereits aus der älteren Steinzeit vor etwa 7000 Jahren. Im 3. Jahrtausend v. Chr. wurden Ackerbau und Viehzucht betrieben, während der Eisenzeit entstanden Häuptlingssitze. Im 9. Jahrhundert wurde vermutlich Vágan gegründet – die erste Stadt nördlich des Polarkreises. Im 12. Jahrhundert erhielt sie eine Kirche, und spätestens seit dieser Zeit fuhren große Konvois von hier aus bis nach Bergen, um Stockfisch gegen andere Waren zu tauschen.

Der Archipel des Kabeljaus

Bis heute trägt die Inselgruppe den Titel „Archipel des Kabeljaus“. Doch der Vestfjord, der sich wie ein Keil zwischen Lofoten und Festland schiebt, liefert heute nur noch Bruchteile der einstigen Dorschmengen. Seit 1978 ging es mit der Lofotfischerei stetig bergab, und der Archipel schien dem Aussterben preisgegeben. Niemand konnte damals ahnen, dass eines Tages die Einnahmen aus dem Tourismus die Verluste mehr als ausgleichen würden.

Vom Fischerdorf zum Sehnsuchtsziel

Heute stehen die Lofoten als „Trauminseln über dem Polarkreis“ wieder glanzvoll da und zählen – zusammen mit dem Nordkap und dem Geirangerfjord – zu den beliebtesten Reisezielen Norwegens. Das bringt große Veränderungen mit sich: Alle Inseln wurden durch Brücken und Tunnel miteinander verbunden, die einst holprige Hauptverkehrsstraße ist zur Europastraße ausgebaut worden, und eine Festlandsverbindung wird demnächst fertiggestellt. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, ob diese Entwicklung in ihrem Ausmaß überhaupt gewünscht ist.