Wer waren die Wikinger wirklich?
Der Begriff Wikinger bezeichnet entgegen der allgemeinen Meinung keine ethnische Gruppe, sondern kann vom Altnordischen übersetzt werden als „Seekrieger, die sich auf langer Fahrt von der Heimat entfernten“. Wikinger waren also zunächst Seeräuber – zum Teil junge Männer, die nach ihren „wilden Jahren“ wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehrten und einem weniger risikoreichen Beruf nachgingen. Einige ihrer Geschichten finden sich in den nordischen Sagas wieder.
Schwierige Quellenlage: Was wir über die Wikinger wissen
Die Wikinger selbst hinterließen kaum Schriftstücke – von schwer deutbaren Runeninschriften einmal abgesehen. Das macht es besonders schwierig, ihr Zusammenleben, ihre Traditionen und ihr Selbstverständnis heute zu rekonstruieren. Stattdessen stützt man sich auf Berichte aus den von den Wikingern überfallenen Regionen, die verständlicherweise ein sehr grausames Bild zeichnen. So bezeichnet der Ausdruck „wie die Berserker“ noch heute die wilde Raserei jener Krieger. Der Beginn der Wikingerzeit wird häufig mit dem Überfall auf ein Kloster in Nordostengland im Frühjahr 793 verbunden. Mit der späteren Christianisierung Skandinaviens und der Einführung der lateinischen Schriftsprache wurde das Bild der Vorfahren oft idealisiert und die Wikinger zu edlen Helden verklärt.
Händler, Entdecker und Netzwerker
Sicher scheint zu sein, dass die Wikinger weit mehr waren als nur verrohte Plünderer: Sie beherrschten den Fernhandel und unterhielten weitreichende Netzwerke. Von Grönland bis Konstantinopel handelten sie mit Luxusgütern wie Walross-Elfenbein, Bernstein, Pelzen und Metallen, aber auch mit Nahrungsmitteln und Sklaven. Nicht immer jedoch wurden diese Handelsgüter auf legalem Wege erworben.
Legendäre Schiffe und beeindruckende Funde
Die Drachenschiffe der Wikinger sind legendär: Ihre robuste Bauweise machte sie zu hervorragenden Kriegsschiffen, und der geringe Tiefgang ermöglichte das Befahren enger Flüsse sowie überraschende Manöver. So groß war die Bedeutung der Schiffe, dass Häuser ähnlich gebaut wurden und manche Wikinger sich sogar in ihnen bestatten ließen. Der berühmteste Fund ist das Osebergschiff, das 1904 in einem Grabhügel in Vestfold entdeckt wurde. Es ist mit kunstvollen Holzornamenten verziert und heute in der Wikingerschiffshalle in Oslo ausgestellt.
Einblicke in das Leben der Vorfahren: Das Wikingermuseum auf den Lofoten
Wer auf der Lofoteninsel Vestvågøy unterwegs ist, sollte den Besuch im Wikingermuseum einplanen. Dort wurde das größte je gefundene Langhaus originalgetreu rekonstruiert. Traditionell gekleidete Guides führen durch die festliche Gildehalle, den Wohnraum und die Stallungen und vermitteln anhand originaler Fundstücke ein anschauliches Bild vom Leben der nordischen Vorfahren.