Heike's Reisebericht: Durch Schweden und zur Mitte Norwegens
Der Skandinavische Frühling hat seinen ganz besonderen Reiz. Ende Mai starte ich diese mehrwöchige Tour, die mich über Trelleborg zum Tiveden Nationalpark weiter zum Siljansee und über Åre an die Schwedisch-Norwegische Grenze nach Trondheim und weiter über den Atlantikvegen bis nach Alesund bringt. Von dort aus geht es zum Westkap und über Loen zum Briksdalsbreen, weiter zum Nigardsbreen bis nach Flam und in den Jotunheimen Nationalpark. Von hier reise ich zurück nach Schweden, besuche den Nationalpark Glaskogen und fahre bis zur Südostküste Schwedens zum Hotel Kåseberga. Oberhalb des gleichnamigen Dorfes befindet sich das sagenumwogene Monument "Ales stenar" in der Gemeinde Ystad. Mit der Fähre geht es nach Deutschland. Autofahren ist in Skandinavien wirklich sehr angenehm. Wer längere Zeit dort unterwegs ist, muss sich nach seiner Rückkehr in Deutschland wieder an die ungeduldigen Autofahrer gewöhnen.
Tiveden Nationalpark zwischen Vänern und Vättern
Ich nutze die Nachtfähre um ausgeschlafen und mit einem Frühstück gestärkt die fast 450km lange Strecke bis zum Tiveden Nationalpark zu bestreiten. Der Park mit seinem alten Waldbestand und den wild geformten Landschaften liegt zwischen den großen Seen Vänern und Vättern. Die felsige, teilweise urwaldartig bewachsene Landschaft mit wunderschönen Waldseen und schönen Ausblicken eignet sich hervorragend für Wanderungen. Hier könnte ich auch im See baden, aber das hebe ich mir für die nächste Reiseetappe auf, dem Siljansee. Der siebtgrößte See Schwedens liegt in der Provinz Dalarna, bekannt durch die handgeschnitzten Holzpferdchen mit der farbenfrohen Bemalung.
Wintersportort Åre im Frühling
Ende Mai sind Schnee und Wintersportler im bekannten Skiort Åre verschwunden. Dennoch gibt es auch im Sommer einige lohnenswerte Ziele. Wer sich mit Lundhags Outdoor Kleidern ausstatten möchte, der macht vor seiner Ankunft in Åre noch einen Zwischenstop und hält auf der E14 vor Järpen kurz zum Einkauf in der "Lundhags Fabriksbutik i Järpen" an. Von Åre aus empfiehlt sich eine Rundtour mit dem Auto am Kallsjön See entlang bis ins einsame Hinterland und zurück. Zum Ende der Strecke trifft man auf den Tännforsen, dem größten Wasserfall Schwedens mit einer Fallhöhe von 38m. Im Frühling ist am Nachmittag dort das beste Licht. Pfade und Wege bieten tolle Ausblicke auf den Fluß und den Wasserfall. Im Winter ist der gefrorene Wasserfall ein beliebtes Ziel.
Trondheim und die Norwegische Landschaftsroute Atlantikvegen
Auf der E14 geht es von Åre nach Trondheim. In meinem Rother Wanderführer "Norwegen-Mitte" entdecke ich eine sehr schöne Bergtour zum Mannseterbakken (Tour 50), die auf dem Weg liegt. Bei bestem Wetter kann ich den Berg auf gar keinen Fall auslassen. Die Norweger markieren Ihre Wanderungen gut, weisen aber keinen Weg aus, d.h. jeder sucht sich seinen eigenen Weg von Markierung zu Markierung. Das sollte man wissen und gleich etwas mehr reine Wanderzeit einplanen, als die Norweger vorgeben. Die Tour entpuppt sich als wahres Juwel mit bester Sicht. Müde, aber überglücklich nach der gelungenen Bergtour falle ich in Trondheim ins Bett. In Trondheim gehört der Nidarosdom auf alle Fälle zum "Pflichtprogramm" bevor es wieder in die Natur geht. Das nächste Highlight steht an: Die Atlantikstraße, auch als "Die Straße des Meeres" bekannt, eine der Norwegischen Landschaftsrouten. Von Trondheim fahre ich nach Kristiansund. Die gesamte Strecke zwischen Kristiansund und Bud ist eine Reise zwischen wilder Natur und moderner Ingenieurskunst. Von Visit Norway als "schönste Autofahrt der Welt" bezeichnet bin auch begeistert. Norwegens "Bauwerk des Jahrhunderts" ist wirklich ein architektonisches Juwel. Es lohnt immer wieder an den Rastplätzen und Aussichtspunkten anzuhalten und die Bauwerke auch einmal aus der Seeperspektive zu betrachten.
Ålesund und die Vogelinsel Runde
Nach einem Spaziergang durch die gepflegte Stadt mit den wunderschönen Jugendstilfassaden besuche ich noch das Aquarium. Vor meiner Fahrt zur Vogelinsel Runde mache ich bei Ålesund noch einen Abstecher zum Outlet Devold nach Langevåg. Devold steht für qualitativ hochwertige Merinowollprodukte. Auf der Vogelinsel bestaune ich die Wollgraswiesen. Ein Teppich voller Papageitaucher ist auf dem Meer zu beobachten. In den Abendstunden vor Sonnenuntergang suchen sie ihre Brutstätten auf. 100.000 Brutpaare sollen es sein. Der ca. 45 minütige Aufstieg für die Beobachtung lohnt, aber für Fotos benötigt man ein sehr gutes Tele. Auf jeden Fall leistet der Wollpullover bei dem Wind dort oben beste Dienste und mit dem Fernglas kann man die Papageitaucher gut beobachten. Leicht in der Abendsonne fotografieren lassen sich die Raubmöwen, die überall in den Wiesen brüten und sich nicht stören lassen.
Vestkapp und Loen Skylift
Bis zum Nordkap war ich noch nicht, aber das Vestkapp, Norwegens westlichster Punkt ist nicht so weit weg. Grund genug an diesem Punkt Abschied von der wunderschönen Küstenlandschaft Mittelnorwegens zu nehmen und Kurs auf die Gletscherwelt zu nehmen. Auf dem äußersten Felsen, dem "Kjerringea" befindet ich mich auf 497 Metern und genieße zusammen mit den Schafen die traumhafte Kulisse, die zwischen stürmischen Winden, heftigem Regen und Sonnenschein wechselt. Anderntags erwartet mich bestes Wetter am Nordfjord. Der Loen Skylift ist die steilste Pendelbahn der Welt. In nicht einmal 10 Minuten geht es auf über 1000 Meter Höhe hinauf zum Berg Hoven, der steil über den Nordfjord ragt. Das Wetter ist so verlockend, dass ich in die Wanderschuhe steige und auf diese bequeme Art hinauf in die Bergwelt schwebe. An der Bergstation starten diverse Wanderwege mit einem umwerfenden Panorama.
Jostedalsbreen-Nationalpark
Nicht weit von Loen lohnt sich der Ausflug zum Briksdalsbre, einem westlichen Nebenarm des Jostedalsbreen. Der Rand dieses Gletscherarms ist über einen ca. 3 km langen Schotterweg zu erreichen. Das Eisfeld bildet sich jährlich zurück. Tafeln am Wegesrand zeigen die Entwicklung auf. Wasserfall und Gletschersee sind ein beliebtes Fotomotiv. Die faszinierende Gletscherwelt läßt mich nicht los. So geht es weiter zum Sognefjord und hinauf zum Nigardsbreen, der ungefähr 10% der Fläche des Jostedalsbreen ausmacht. Es lohnt ein Besuch in der Nationalparkinformation am Nigardsbreen. Wer möchte, kann mit dem Auto über eine Mautstraße bis zum Gletschersee fahren, sich - in den Sommermonaten - mit dem Boot über den See setzen lassen und von dort aus weiter zum Gletscher wandern.
Die Flåmbahn - das Zugstrecken-Hightlight
Vom Gletschererlebnis geht es weiter zur berühmten Bahnreise in Flåm am Aurlandsfjord, einem Seitenarm des Sognefjord. Mit dem Auto erreiche ich über das Aurlandsfjellet den kleinen Ort am Fjord. Natürlich halte auch ich vorher an der Aussichtsplattform Stegastein, die 650m über dem Fjord ragt, und genieße den Panoramablick bevor es über zahlreiche Kurven hinunter geht. Die Fahrt mit der Flåmbahn gehört zu den schönsten Zugstrecken und schlängelt sich von Meeresebene langsam durch die wunderschöne Landschaft hinauf ins Hochgebirge bis Myrdal (867 Meter hoch). Inzwischen ist diese Strecke so berühmt, dass in der Hochsaison unbedingt eine Vorreservierung empfehlenswert ist.
Jotunheimen Nationalpark
Mein Ausflug in den Jotunheimen Nationalpark ist leider ein feuchtes Vergnügen und die geplanten Wanderungen aus dem Wanderführer lasse ich sausen. Selbst bei schlechtem Wetter ist man im Berghotel Hindseter im Jotunheimen Gebirge bestens bei Karola und ihrem norwegischen Mann aufgehoben. Das entschädigt nicht nur kulinarisch für schlechtes Wetter. Die Berglandschaft ist dennoch reizvoll, auch wenn ich diese nur durch die Fensterscheibe betrachte. Die Reisezeit neigt sich dem Ende. Für mich geht es nun nach Schweden zum Naturreservat Glaskogen, ein ideales Gebiet für Kanutouren und Wanderungen. Es bleibt noch Zeit für einen Abstecher über die großen Seen bis zum kleinen Dorf Kåseberger. Das neu gebaute, gleichnamige kleine Hotel liegt malerisch an der kleinen Dorfstraße. Ein kurzer Weg führt hinab zur Küste, ein weiterer Weg führt ein kurzes Stück hinauf durch eine Wiese zu den mystischen "Ales stenar". An diesem idyllischen Küstenstreifen nehme ich Abschied von Skandinavien. Voller Natureindrücke freue ich mich schon heute auf weitere Reisen gen Norden.